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Das Inselparadies El Nido zählt zu den wenigen noch Natur-belassenen Wunder des philippinischen Archipels.
Die Inseln sind Überreste überdimensionaler Unterwasservulkanausbrüche aus tektonischer Vorzeit.
Kalksedimente wurden durch die vulkanische Tätigkeit von der üblichen horizontalen Sedimentschichtung,
vermengt mit schwarzer Lava, zu bizarren vertikalen Strukturen verändert, die heute als einzigartige Inseln
von ihrer Vergangenheit Zeugnis ablegen.
Ena (Prof. Ena Maria Aldecoa von der University of the Philippines) begleitete mich auf dieser einzigartigen
Entdeckungsreise. Ein weiterer Vorteil war, dass ich mich nicht um die Bestellung bei Tisch kümmern musste,
da ich dies getrost weiter delegieren konnte, um so in den Genuss aller lukullischen Genüsse zu kommen.
Der Weg nach El Nido ist allemal etwas beschwerlich. Zunächst geht es mit der Linienmaschine nach Puerto Princesa,
eine durchaus sehenswerte Hauptstadt von Palawan. Es folgt eine 6-stündige Autofahrt über Strassen mit Schlaglöchern,
welche teils nur in weniger als Schritt-Tempo bewältigt werden können.
Abgesehen von den rein-weißen Sandstränden und einem Meer welches bis zu 30 Meter Tiefe Sicht bietet, beeindruckt
in El Nido die Meeresfauna mit ihren farbigen Korallenfischen und den unterschiedlichsten Korallen, die man hautnah
erleben kann. Bucht man rechtzeitig, so stehen dem Besucher Cottages unmittelbar im Sandstrand zur Verfügung.
Außer dem Geschnatter von Tropenvögeln, dem Lockruf eines einsamen Geko-Männchens, dem Getrampel von einem Wildschwein
welches vielleicht eben die Cottage im Hussaren-Galopp umrundet, kein Lärm. Kein Gegröle angetrunkener Touristen oder
das Erschallen von wesensfremder Diskomusik. Der mitunter fehlende Strom hilft da mit. Der Romantik ist kein Ende gesetzt,
wenn man täglich das Schauspiel des Sonnenauf- und Untergangs an einem Ort erleben kann,
wo man in der Regel den ganzen Strand für sich alleine hat.
Deshalb beginnt der Tag nicht mit „Ausschlafen“ sondern bei der ersten Dämmerung gegen 5:30 mit einem
Spaziergang am feinen Sandstrand. Das emsige Treiben der Kleinkrebse, die um diese Zeit noch Feuchte im Sand finden,
bietet eine lustige Unterhaltung. Frühstücken sollte man möglichst nicht später als 7:00 denn die beste Zeit zum
Schwimmen ist noch vor 10:00. Anders als am Mittelmeer sollte man sich danach möglichst wenig der Sonne aussetzen,
da sie einen unweigerlich verbrennen würde.
Hat man Glück so gelingt es mit einer kleinen Turboprop-Maschine, die 18 Passagieren Platz bietet, von einer privaten
Strandpiste aus eine bequeme aber nicht ganz preiswerte Rückreise nach Manila anzutreten. Der bewachte Privatflugplatz
sowie die professionell ausgestattete Fluglinie, bestehend aus drei modernem deutschen Dornier 228 Flugzeugen,
gehören einem Nobelhotelbesitzer, der so sein eigenes Gewerbe auf zwei der vielen Inselchen effizient bedient.
Beim Besteigen der Maschine spielt und singt für uns fröhlich eine folkloristische Truppe in bunten Gewändern
einen herzlichen Abschiedsgruß, und Minuten später sehen wir nur wenige Meter unter den Tragflächen den so lieb
gewonnenen Sandstrand schnell entschwinden. Ein letzter Eindruck dieser wundersamen Insellandschaft während man
an Höhe gewinnt, ehe wir nach 80 Minuten Flugdauer den internationalen Flughafen Manila erreichen.
In der knapp 20 Millionen Einwohner zählenden Großstadt Manila gibt es 3 Musikhochschulen. MHS University of the
Philippines (UP), MHS Santa Scholastica und MHS University of Santa Tomas (UST).
Kaum angekommen ging es zu einer Probe des Madrigalchors ins Cultural Centre of the Philippines (CCP),
auch Sitz des Philharmonischen Orchesters (PPO). Der Chor gehört zur UP und wurde bislang als einziger im weltweit
internationalen „Grand Prix for Choral Singing“ zweimal mit dem ersten Preis ausgezeichnet,
zuletzt 2007 in Arezzo (Italien) im Fach Polyfonie. Am vergangenen Wochenende konzertierte er im CCP ehe
es auf Konzertreise nach Korea ging. Etwas übertrieben ausgedrückt klingen seine Tenöre beinahe so weich
als wären es Frauen, die Bässe trotz des jungen Alters sonor, und die Soprane im piano der Höhe fast als wären es Knaben.
Im Juni 2009 ist dieser Meisterchor auf seiner Europa-Tournee auch in zwei Kulturstädten Deutschlands zu erleben,
nämlich in Berlin – wo er vom Bürgermeister der Stadt geehrte wird - und in München. In der zweiten Jahreshälfte
geht er dann auf eine 8-wöchige Tournee nach Südamerika.

Das CCP ist eine beeindruckende architektonische Schöpfung, auf kleiner Anhöhe inmitten eines weit angelegten
englischen Rasens, das Haupttheater baulich und von der Größe her absolut vergleichbar mit der Deutschen Oper in
Berlin – beide Theater bieten knapp 2.000 Sitzplätze. Das CCP beherbergt die Philharmoniker und den Madrigalchor.
Errichtet unter Ferdinand Marcos, der ein ganz großer Sponsor des Kulturlebens war, ist es großzügig mit mehreren
in Velours verkleideten Rängen, die zum Tragen bodenlanger Garderoben einladen, ausgestattet. Herrliche weitläufige
Foyers mit Ausblick auf die grünen Gärten am Ende des bekannten Rohas Strand-Boulevard, die den Bau optisch einzigartig
hervorheben. Außer dem mit moderner Bühnentechnik ausgestatteten Haupttheater, wo auch das Chorkonzert stattfand,
gibt es im selben Haus noch 3 (!) weitere voll ausgestattete Theater, die das CCP weltweit einzigartig machen.
Am nächsten Morgen wurde ich von Geigenbaumeister Amador Tamayo von meinem Hotel Imperial Palace Suites in Quezon
City abgeholt. Tamayo ist der erste Geigenbaumeister im Land. Er hat bei Schnoor in Hamburg und dann in Mittenwald
sein Meisterhandwerk studiert, und bezieht nach 30 Jahren immer noch sein Holz aus Bayern. Die Fahrt zu seiner Werkstatt
dauerte etwa 1-1/2 Stunden. Sie ist Teil eines romantisch anmutenden Bungalows mit barocken Eingangssäulen inmitten
eines kleinen privaten Naturparks. Amador liebt die Natur und erklärte er brauche viel Ruhe um arbeiten zu können.
Als erstes zeigte er mir eines seiner Meistercellis und spielte darauf. Welch vergebender warmer Klang!
Es handelte sich um ein Schwesterinstrument welches 2008 Victor Coo auf seiner erfolgreichen Konzert-Reise nach
Taiwan begleitete (Video siehe ICG-website unter Tamayo’s Fine Instruments). Ich ließ Amador wissen,
dass ich mich namens ICG dafür ernsthaft interessiere. Am liebsten hätte ich es gleich mitgenommen.
Dann öffnete er etwas geheimnisvoll einen alten verstaubten Geigenkasten und zeigte mir meine Violine,
nein, „unsere“ Violine, die ICG Violine. Sie ist unverkäuflich. Professor Gina Medina von der
MHS Santa Scholastica – nota bene eine Gründung deutscher Ordensschwestern – hatte die Endauswahl
noch vor meiner Ankunft getroffen.
Es wurde zu Tisch gerufen. Amadors Mitarbeiter waren mit am lukullischen Essen eingeladen, welches seine Frau Miriam
vorbereitet hatte. Es folgte unser Arbeitsgespräch und die Besichtigung der Werkstatt. Zum Abschluss zeigte er mir
eines seiner Haustiere, eine geschützte Art einer armdicken Boa Constrictor. Das frei umher streichende Tier wurde
dingfest gemacht, nachdem es die Geflügelfarm des Nachbarn sichtlich erleichtert hatte. Miriam meinte dies sei der
Grund weshalb sie ungern allein spazieren ginge, worauf ich sie zu beruhigen versuchte „Miriam, du bist zu groß
für eine Boa, die kriegt dich nicht mit einem Mal hinunter“.
Am nächsten Tag lud mich Amador ein zu einem Besuch ins Konzert des Manila Symphony Orchestra (MSO) im Theater
der MHS Santa Scholastica. Das Theater erinnert an eine keine Ausgabe des Staatstheaters Wiesbaden.
Es wurde ausschließlich aus Spendengeldern erbaut. Man höre und staune solch ein Theater als Eigentum einer
MHS in einem sogenannten Schwellenland? Wehmütig dachte ich an die Situation bei uns im sogenannten entwickelten
reichen Deutschland, der Mutter abendländischer Musik, wo wir nur wenige geeignete Instrumente den Studierenden
zum Üben überlassen können. Welch schreiender Kontrast!
Das MSO bot eine beeindruckende und weitreichende Klangfülle, nicht nur über die Streicher sondern auch über das Holz
und das Blech. Auf dem Programm standen Werke amerikanischer Komponisten des 20. Jhdt. mit mittelgroßem Orchester
(u.a. 3 Bassposaunen, 3 Hörner, 1 Wagner-Tuba). Es schien als hätte sich so ziemlich alles versammelt.
Da entdecke ich Gina am Platz des Konzertmeisters. Joseph Esmilla (Violine) stolperte uns im 1. Rang über den Weg.
Er bekam bereits mit 14 ein Stipendium an die Juilliard School of Music. Später arbeitete er mit Arnold Steinhardt
und John Dalley vom Guarneri Quartett, konzertierte u.a. am Mozarteum mit dem Tschaikowsky-Violinkonzert ehe er
am Elizabethtown College zu unterrichten begann. Dann begrüßten wir noch Justin Texon (Violine) von den Nürnberger
Philharmonikern, dessen Frau Jareen Inacay (dzt. Zürich) im Violinkonzert zu glänzen wusste, und schließlich
Prof. Renato Lukas (Cello) von UST. Nach dem Konzert holte mich Gina nach hinten um mich dem etwas alternden
Dirigenten Arturo Molina vorzustellen. Es gab die üblichen Pflichtfotos, und dann ging es schnell hinüber
zum CCP um Ena von ihrer Probe abzuholen. Sie wartete bereits auf uns am Künstlereingang.
Ein spätes japanisches Abendessen zu mitternächtlicher Stunde erlaubte nur knapp 2 Stunden Schlaf bis zum Aus-Checken
um 3:30 Uhr morgens. Obwohl Ena bereits vormittags an der UP unterrichten musste, wollte sie mich mit kaum geöffneten
Augen noch begleiten. In der eben am Horizont aufgehenden Sonne gingen wir rasch auf Höhe, hoch über die Wolken,
auf unserem knapp 10-stündigen Flug bis zum nächsten Zwischenstopp in Richtung Deutschland.
Es waren äußerst ereignisreiche und aufregende Tage gewesen, vollgepackt mit unzähligen wundersamen Überraschungen.
Foto-Gallerie:
Philippinen 2009 Reise
Einige Anmerkungen zum Madrigalchor
Maximalgröße 22, bis zu 8-stimmig
Aufstellung in Hufeisen-Form durchmischt SATBSATB ...
Es wird ausschließlich a capella gesungen
Der Steinway „C“ Flügel des CCP diente nur der didaktischen Verdeutlichung von Harmonien
Einsingen ist wie bei Solisten Sache des Einzelnen. Die Probe dient ausschließlich dem musikalischen Arbeiten
Probendauer nach Bedarf 2 Stunden am Stück oder 2 + 2 Stunden mit dazwischen 30 Minuten Pause
In der Regel wöchentlich 2 Proben, vor einem Konzert auch mehr
Bei den Proben werden Noten zur Eigenkontrolle toleriert, bei den Aufführungen sind sie grundsätzlich untersagt
Blickrichtung der Choristen grundsätzlich nach vorne. Dialoge unter einander - nicht einmal Kurzkommentare - waren von mir während der Probenzeit nicht zu beobachten
Beim Proben einzelner Kurz-Passagen steht der Chorleiter an der offenen Seite des Hufeisens. Er „dirigiert“ nicht, sondern gibt nur das Taktmaß vor Beginn an. Er achtet auf die Ausführung. Die Anfangsintonation wird von seinem Assistenten im Chor gegeben.
Beim Durchlauf einzelner Stücke stellt sich der Chorleiter selbst in den Chor um von dort aus mitzusingen. Von jetzt an gibt es keine Handzeichen mehr. Einsatz und Abschluss wird durch diskretes Kopfnicken vermittelt
Wir Europäer wären gut beraten in manchen Dingen lernfähig zu bleiben, denn wir haben keineswegs die
„Conoscenza Assoluta di Musica“ gepachtet. Das „Musikmuseum Deutschland“ könnte
ansonsten tatsächlich Wirklichkeit werden
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Isis Concert Group